Mentale Gesundheit ist nicht erst seit Corona eine gesellschaftliche Herausforderung und aktives netzwerken bietet eine Lösung. Unternehmer/innen in kleinen Betrieben stehen hier unter speziellem Druck. Oft fehlt das Verständnis im direkten Umfeld, der Austausch mit Menschen, die ähnliche Herausforderungen haben, ist gering. Ein-Personen-Unternehmer:Innen und Eigentümer/innen kleiner Betriebe berichten weit häufiger, sich allein gelassen zu fühlen als vergleichbare Menschen desselben Alters.
Psychologische Forschung zeigt dabei: mentales Wohlbefinden entsteht nicht durch große Lebenswenden. Es sind nicht die wenigen, großen Ereignisse. viel mehr zählen kleine, sinnvolle und wiederkehrende Handlungen. Jene, die uns ein Gefühl von Sinn, Verbundenheit und Zugehörigkeit geben.
Warum Sinn & Bedeutung so gut tun
Wer Sinn in seinem Tun erkennt und wer in seinem sozialen Umfeld seine Bedeutung bestätigt bekommt, lebt mental gesünder. Es geht um das Gefühl, dass das eigene Leben zusammenhängend, wichtig und mit den eigenen Werten verbunden ist. Menschen mit einem ausgeprägten Sinn-Erleben berichten:
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höheres Wohlbefinden,
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weniger Stress und depressive Symptome,
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größere Widerstandskraft bei Herausforderungen.
Der zentrale Punkt: Sinn entsteht vor allem durch positive Verstärkung im Alltag. Das sind vor allem Handlungen, die uns etwas zurückgeben – sei es Energie, Stolz, Zufriedenheit oder – ganz besonders – soziale Verbindung.
Fokus auf mentale Gesundheit – ein Zeichen persönlicher Stärke
Fokus auf mentale Gesundheit ist kein weiches Lifestyle-Thema, sondern eine Frage von Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Stärke. Jeder erlebt Krisen, Phasen voller Rückschläge. Wer in diesen Zeiten klar bleibt, Druck aushält und entscheidungsfähig bleibt, kommt langfristig weiter. Der Fokus auf mentale Stabilität bedeutet nicht, sich in Befindlichkeiten zu verlieren. Es geht darum, sich selbst zu regulieren, Perspektiven einzunehmen und Verantwortung tragfähig zu machen. Unternehmerische Härte ohne innere Stabilität führt schnell in Isolation, Tunnelblick und Fehlentscheidungen. Das ist kein Zeichen von Stärke – sondern ein Risiko.
Mentale Gesundheit ist sondern professionelle Selbstführung. Stärke zeigt sich nicht im Alleingang – sondern in der Fähigkeit, stabil zu bleiben und tragfähige Beziehungen zu pflegen. Stärke heißt auch, Beziehungen aufrecht zu erhalten, wenn Stress und Enttäuschungen beginnen zu überwiegen.
Wie kleine soziale Handlungen mental bekräftigend sind
Viele Alltagshandlungen wirken auf den ersten Blick unscheinbar. Doch gerade Begegnungen, Gespräche, Nachrichten, Hilfsangebote oder geteilte Momente der Verbundenheit tragen stark zum Gefühl bei, dass das Leben Sinn macht und wir nicht allein sind. Forschung zur Frage „was macht Menschen langfristig glücklich“ stellte fest, dass es weder Konsum noch Besitz sind sondern das lang anhaltendste Glücksgefühl entsteht, wenn wir andere unterstützen können. Ein soziales Überbleibsel aus der prähistorischen Zeit, als Menschen nur in Gruppe überlebensfähig waren.
Genau das ist beim Netzwerken zentral:
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Regelmäßige soziale Interaktion schafft vielseitige Beziehungen. Das stärkt die mentale Stabilität, weil sie nicht nur eine einzige Quelle von Sinn ist (z. B. nur Arbeit oder nur eine Beziehung).
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Wenn wir aktiv in Kontakt treten (z. B. ein kurzes „Wie geht’s?“ senden, ein Treffen vereinbaren oder einfach zuhören), erleben wir positive Verstärkung – das Gefühl, etwas Bedeutendes zu tun, das uns und anderen gut tut. Dabei zählt es mental weniger, ob das Bedeutende eine große Sache oder eine kleine, alltägliche Nettigkeit ist. Der Akt zählt.
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Diese kleinen sozialen Schritte sind Zeugen von Anschluss und Zugehörigkeit; wissenschaftlich gesehen fundamentale psychologische Bedürfnisse. Menschen, die sich sozial eingebunden fühlen, zeigen bessere mentale Gesundheit und stärkere Resilienz gegen Stress und Einsamkeit und tatsächlich eine weit höhere Lebenserwartung (Susan Pinker – TED Video).
Warum große Ereignisse nicht genug sind
Einmalige Erfolge oder besondere Events – etwa ein gewonnener Auftrag, eine Messe oder ein Vortrag – fühlen sich zwar gut an, verändern aber wenig langfristig. Nur wenn sie in regelmäßige, wertvolle Verbindungen eingebettet sind, haben sie Wirkung. Der Grund: Menschen kehren nach solchen Ereignissen schnell wieder zu ihrem gewohnten emotionalen Grundniveau zurück, die Wirkung einmaliger Erlebnisse verpufft.
Netzwerken als tägliche Praxis der mentalen Gesundheit
BNI Mitglieder sind aktive Netzwerker. Sie pflegen regelmäßige Treffen und konkrete Rituale, wie die Kurzpräsentationen, Vier-Augen-Gespräche und Events. Damit entstehen viel häufigere kleine, positive Erlebnisse, die die mentale Gesundheit fördern. Denn die Forschung zeigt: man pflegt mentale Gesundheit, wenn man
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aktiv reflektiert, welche sozialen Kontakte im vergangenen Jahr gutgetan haben und welche nicht.
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Zwei bis drei Bereiche auswählt, in denen man kleine, konstante soziale Schritte macht – Freundschaften vertiefen, neue Kontakte pflegen, in der Community, dem Netzwerk, dem Chapter aktiv werden.
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Routinen schafft, die positive soziale Interaktionen erleichtern – z. B. regelmäßige Netzwerk-Meetings, Workshops, persönliche Gespräche mit Struktur
Die Struktur ist hier von besonderer Bedeutung. Durch sie wird es möglich „gute“ Erlebnisse zu garantieren. Wer Gespräche mit Struktur führt, wer Kurzpräsentationen an Hand einer knappen Leitlinie entwickelt, der erkennt, wenn sie „gut“ waren, der reduziert seine Unsicherheit („war das gut?“) und ersetzt sie durch planbare Erfolgserlebnisse („so mache ich es gut und auch besser“).
Fazit
Netzwerken hält mental gesund. Netzwerken erzeugt soziale Verbundenheit und stärkt das Gefühl, Teil eines Ganzen, einer Gemeinschaft, zu sein. Entscheidende Bausteine für psychische Stabilität und Lebenszufriedenheit. Es sind nicht die großen Ereignisse, die uns nachhaltig stärken, sondern die kleinen, bedeutsamen sozialen Handlungen, die wir regelmäßig tun.