Wer BNI zum ersten Mal erlebt, merkt oft schnell: Hier kennen sich Menschen. Sie reden miteinander, helfen einander und empfehlen sich aktiv weiter. Genau das sorgt manchmal für einen falschen Eindruck. Manche glauben, BNI sei ein exklusiver Club oder ein geschlossener Kreis. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall.
BNI ist ein offenes Netzwerk – kein elitärer Club
BNI ist bewusst so aufgebaut, dass neue Menschen dazukommen sollen. Neue Unternehmerinnen und Unternehmer bringen neue Ideen, neue Kontakte und neue Blickwinkel mit. Genau davon lebt ein Netzwerk.
Es geht nicht darum, Türen zu schließen. Es geht darum, sie sinnvoll offen zu halten.
Besonders spannend ist dabei die Mischung der Berufe. In einem Chapter sitzen oft Menschen aus völlig unterschiedlichen Branchen an einem Tisch. Genau dadurch entstehen neue Gedanken, andere Sichtweisen und oft Lösungen, auf die man allein nie gekommen wäre.
Vorteil: jährliche Verlängerungen
Viele traditionelle Serviceclubs arbeiten mit Mitgliedschaften, die über Jahrzehnte bestehen, die nahezu lebenslang andauern. Das hat viele gute Seiten. Menschen wachsen zusammen, Vertrauen entsteht und Beziehungen werden oft sehr tief.
Aber es gibt auch eine Kehrseite.
Wenn sich Gruppen über lange Zeit kaum verändern, wird es für neue Menschen oft schwer sich zu integrieren. Gruppenspezifische Abläufe werden immer tiefer verwurzelt, Gewohnheiten setzen sich fest und manche Gruppen werden auch bei Nachbarclubs richtiggehend „berüchtigt“.
BNI geht deshalb einen anderen Weg.
Die Mitgliedschaft wird regelmäßig verlängert. Das klingt im ersten Moment vielleicht streng, hat aber einen einfachen Sinn: Ein Netzwerk soll lebendig bleiben.
Mitglieder bleiben nicht automatisch dabei, sondern durch Engagement, Verlässlichkeit und aktive Mitarbeit. Gleichzeitig entscheidet auch jedes Mitglied jedes Jahr neu: Passt BNI noch zu meiner aktuellen Situation? Will ich weiterhin Teil dieses Teams sein?
Dadurch entsteht eine hohe Dynamik. Gruppen bleiben aktiver, frischer und beweglicher.
Wenn Gruppen beginnen, sich abzuschotten
In einem Chapter habe ich einmal etwas Spannendes beobachtet: Ein Unternehmer kam neu dazu, engagierte sich stark und wurde schnell ein wichtiger Teil der Gruppe. Doch mit der Zeit änderte sich etwas. Neue Bewerber wurden immer kritischer betrachtet. Ablehnungen häuften sich. Irgendwann kam sogar die Idee auf, Besucher schon vor ihrem ersten Treffen darauf zu prüfen, ob sie überhaupt „passen“.
Aus einer offenen Gruppe wurde stärker ein Kreis vertrauter Gesichter. Nach innen fühlte sich das angenehm an. Man kennt sich, man versteht sich, alles wirkt harmonisch. Doch unter der harmonischen Oberfläche liegt eine Gefahr versteckt. Eine Gruppe, die keine Routine für die Aufnahme und Integration neuer Mitglieder hat, bekommt rasch ein Problem, scheiden bestehende Mitglieder aus. Dieses Ausscheiden ist bei BNI Standard, spätestens mit Berufsende endet auch die Mitgliedschaft. Scheitert die Integration, droht auch die Gruppe zu scheitern.
Das sogenannte In-Group-Phänomen
Für dieses Verhalten gibt es sogar einen Begriff: das sogenannte In-Group-Phänomen. Menschen möchten gerne Teil einer Gruppe sein. Sobald sie dazugehören, entsteht manchmal unbewusst der Wunsch, diese Gruppe zu schützen. Neue Menschen werden kritischer betrachtet, der Zugang wird enger und die Gruppe beginnt, sich abzuschotten.
Das ist meist nicht böse gemeint. Es ist ein sehr menschlicher Mechanismus. Fast wie ein kleines Rudel, das seinen Bereich verteidigt. Für ein Business-Netzwerk ist das aber gefährlich. Denn gerade BNI lebt davon, dass neue Unternehmer dazukommen, neue Kontakte entstehen und frische Energie in die Gruppe kommt.
Offene Netzwerke bleiben stärker
Chapter, die Offenheit leben, behalten diese wichtige Fähigkeit: neue Menschen gut einzubinden.
Dadurch profitieren nicht nur die neuen Mitglieder, sondern auch die bestehenden. Wer neue Unternehmer begleitet oder als Mentor unterstützt, beschäftigt sich automatisch wieder stärker mit den Abläufen, den Werten und den Prinzipien von BNI.
Das hält die Gruppe wach. Das hält die Gruppe komptetent. So verhindern offene Netzwerke, dass Standards langsam verloren gehen oder sich schlechte Gewohnheiten einschleichen.
Vor allem aber bringen neue Mitglieder neue Chancen mit: neue Branchenkontakte, neue Ideen, neue Perspektiven und oft auch neue Energie.
Die gelebte BNI-Exklusivität der Kompetenz
Wo BNI sehr wohl streng exklusiv ist, ist in der Kompetenz. Zu jeder beruflichen Expertise kann es nur ein Mitglied geben. Am Markt gilt „Konkurrenz belebt das Geschäft“, in einzelnen Netzwerkgruppen dagegen fördert Konkurrenz eher Konflikte. Wer bei BNI Mitglied ist kann sich daher sicher sein: die eigene Kernkompetenz ist exklusiv dem einzelnen Mitglied vorbehalten.
BNI ist offen – aber nicht beliebig
Natürlich ist BNI nicht einfach „für alle“. Verlässlichkeit, Professionalität und aktives Mitmachen bleiben wichtig. Und nicht jeder Lebensabschnitt passt automatisch zu einem aktiven Netzwerk.
Aber die Grundhaltung ist entscheidend: Menschen sollen nicht draußen gehalten werden. Sie sollen die Chance bekommen, Teil eines funktionierenden Netzwerks zu werden, Beziehungen aufzubauen und selbst etwas beizutragen.
Denn starke Netzwerke erkennt man nicht daran, wie gut sie sich abschotten.
Sondern daran, wie gut sie wachsen können, ohne ihren Geist zu verlieren.