Warum Netzwerkveranstaltungen deprimierend sind

Warum Netzwerkveranstaltungen deprimierend sind

Rund 60-70 Unternehmer verschiedenster Berufsgruppen haben bei einer Netzwerkveranstaltung einen interessanten Vortrag gehört und stehen nun im Foyer des einladenden Betriebes an Stehtischen zusammen. Netzwerken ist jetzt angesagt, so hat es der Firmenchef eben in seinem Schlusswort bekannt gegeben. Also gut. Ich kümmere mich erst einmal darum, dass das bereitstehende Fingerfood „getestet wird“ und ein Glas Sekt konnte ich auch schon ergattern.

Dann los! Netzwerken wir mal. Wer sieht denn hier so aus, als könne er das, was ich mache, gut gebrauchen? Also - eigentlich braucht ja jeder mal eine Bühne, Beschallungstechnik oder einen Moderator. Also dürfte es ja gar nicht so schwer sein, einen potenziellen Kunden zu finden. Tatsächlich! Er da vorn ist doch der Geschäftsführer von einem riesigen Fahrradgeschäft. An einem verkaufsoffenen Sonntag kann der meine Bühne mieten, dort baue ich eine Beschallungsanlage auf und moderiere den ganzen Tag seine Aktionen an. Das wird ein schöner Auftrag. Schnurstracks gehe ich auf ihn zu.

Wie es weiterging, brauche ich nicht zu erzählen. Natürlich hat er mich nicht gebucht. Ich war frustriert.

2 Jahre später auf einem Workshop zu dem Thema „Netzwerken“ habe ich auch erfahren, warum er mich nicht gebucht hat und warum Netzwerken so nicht funktioniert.

Eigentlich ganz klar! Umdenken ist angesagt. Netzwerken heißt nicht, dass man auf Neukundenfang geht, sondern, dass man sich mit anderen Unternehmern austauscht und schaut, ob man vielleicht sogar dieselben Zielkunden hat. Wenn das der Fall ist, kann man sich gegenseitig ins Gespräch bringen oder sogar eine Kundenaktion gemeinsam anbieten.

Am praktischen Beispiel sieht es dann so aus: Ein lokaler Radiosender hatte das oben beschriebene Fahrradgeschäft bereits als Kunde. Ein gemeinsames Konzept, bestehend aus einer Radio-Live-Sendung von der Bühne vor seinem Geschäft in die Radios der Region, machte den Fahrradladen zu meinem Kunden.

Jetzt heißt Netzwerken für mich: Da steht kein potenzieller Kunde vor mir, sondern ein Türöffner zu meinem Kunden.

Ach ja: Dass ich dem Radiosender ein Möbelhaus vermitteln konnte, das auch unbedingt eine Live-Sendung machen wollte, brauche ich hier glaube ich nicht noch extra zu erwähnen oder?

Frohes Netzwerken!

Über den Autor

Raphael Stenzhorn

Raphael Stenzhorn ist Inhaber und Geschäftsleiter einer Firma, die sich darauf spezialisiert hat, Veranstaltungen durch Bühne, Ton, Licht, Moderation und Musik perfekt zu machen. Seine Freizeit genießt Raphael gerne im Freien, insbesondere in Südtirol beim Bergklettern.