Mit Hirn und Händedruck

Mit Hirn und Händedruck

02.12.2015 Svenja Zitzer

BNI funktioniert – aber warum eigentlich?

Einmal wöchentlich am selben Tag, zur selben Uhrzeit, rund ums Jahr. Manche sind es berufsbedingt gewohnt, anderen dagegen fällt es gar nicht so leicht, sich so früh aus dem Bett zu quälen. Und doch: Überall auf der ganzen Welt treffen sich von Montag bis Freitag unzählige BNI-Mitglieder spätestens um 06:45 Uhr zum Netzwerken. Und warum? Na weil es funktioniert!

Menschen sind geborene Netzwerker

Doch warum ist das eigentlich so? Was treibt uns immer wieder dazu, uns in Gruppen zusammenzutun? Das Prinzip „Givers Gain“, „Wer gibt, gewinnt“, klingt äußerst modern, in Wirklichkeit ist es aber schon Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende alt – sagt zumindest Dr. Franz-Jürgen Sperlich. Er ist Direktor des BNI-Chapters Wörpe, einer 30 Mitglieder starken Unternehmergemeinschaft aus dem Raum Bremen, und beratender Experte für Kommunikation und Gesundheit. Im Rahmen seiner Promotion im Bereich der Neurophysiologie, der Hirnforschung, und auch in den darauffolgenden Jahren beschäftigte er sich intensiv mit den Hintergründen menschlicher Verhaltensweisen. Für ihn ist klar: „Wir Menschen sind die geborenen Netzwerker. Letztendlich ist es das Netzwerken in der Gruppe, das die Grundlage für unseren Erfolg als Gattung bildete.“

Erfolg trotz Durchschnitt

Schaut man einige 10.000 Jahre zurück, so erzählt Sperlich weiter, agierten wir in Horden und es war die Arbeitsteilung, die uns damals überleben ließ. Überleben, obwohl der Mensch seit jeher über eine eher durchschnittliche biologische Ausstattung verfügt: Weder Flügel noch ein spezielles Fell oder ein besonders ausgeprägtes Gebiss zeichnen uns aus. Der Ausschluss eines Individuums aus der Gruppe war daher in der Regel gleichzusetzen mit dessen Todesurteil. „Die neurobiologischen Mechanismen von ‚Givers Gain‘ beruhen sicherlich auf diesen über tausende von Generationen bestehenden Prinzipien.“

Das Netzwerken avancierte zum Erfolgsmodell, wurde der Mensch doch das erfolgreichste Großlebewesen des Planeten. Mit der Sesshaftigkeit wuchs die Zahl der Individuen in einer Gruppe sprunghaft an – bis hin zu den Millionenstädten der Neuzeit. Heute sind wir dank modernster Kommunikationsmöglichkeiten sogar weltweit vernetzt, ob das nun Fluch oder Segen ist, mag allerdings jeder selber entscheiden. Eines steht fest: Der persönliche Kontakt bleibt bisweilen auf der Strecke. Wir bedienen uns zumeist der akustischen Kommunikation per Telefon oder, noch reduzierter, der Kommunikation per Kurztext in E-Mails und SMS.

Mittelalterliche Strukturen? Aber ja!

Sicherlich sind diese Kommunikationsmittel praktisch, doch was ist mit Körperhaltung, Mimik und dem Klang der Stimme als direkte Kanäle oder Ritualen wie beispielsweise dem Händedruck und dem Kopfnicken? „Diese Elemente fallen weg, was zunächst den Informationsgehalt mindert“, sagt Dr. Franz-Jürgen Sperlich. „Fast noch schlimmer ist, dass wir unserer Hauptexpertise, die das Netzwerken ausmacht, beraubt werden: Dem sozialen Expertenstatus unseres Gehirns, der auch als ‚siebter Sinn‘ empfunden wird.“ Mit gravierenden Folgen, denn es entstehen neben Missverständnissen und daraus resultierenden Wiederholungen vor allem das Gefühl der Unverbindlichkeit. Keine gute Voraussetzung für effektives Netzwerken.

Vor allem auch deshalb funktioniert BNI. Es ist der Rahmen des regelmäßigen direkten, sozialen Austauschs, der unserem hochentwickelten Netzwerksinn während des Unternehmerteamfrühstücks entgegenkommt. Ein wenig erinnert das doch an den mittelalterlichen Marktplatz, der einst Handelszentrum und Erfolgsfaktor florierender Städte war. Wenn Dinge funktionieren, liegt ihnen oftmals ein bewährtes Prinzip zugrunde – kein Wunder also, dass es tausende Unternehmer früh morgens, Woche für Woche, Jahr für Jahr aus genau einem Grund aus den Federn treibt: Um zu netzwerken.

Über den Autor

Svenja Zitzer

Svenja Zitzer ist Texterin und freie Journalistin, deren Leidenschaft lesbare Texte mit Mehrwert sind. Die Grundlagen erlernte sie während des Fachjournalistik-Studiums, um anschließend bei ‚Galileo‘ (ProSieben), im Radio und im Bereich Print die nötige Medienpraxis zu erwerben. Ihre Stärken: Webseitentexte, Pressemitteilungen und die Betreuung von Social Media-Auftritten – spannende Projekte geht sie seit 2015 gerne mit ihren Unternehmerkollegen vom Chapter Wörpe nahe Bremen an. Und wenn sie ihre rar gesäte Freizeit nicht gerade bei ihrem Pferd verbringt, findet man sie stattdessen irgendwo auf dem Wasser beim Kitesurfen.